Maßarbeit
 

Humane-Balance

Ein Mann bestellt einen Maßanzug, ist aber mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden. Er zupft am Ärmel und beklagt, dass die Ärmellänge nicht stimmt. Der Schneider erwidert etwas ungehalten: „Ja, so wie Sie dastehen ist das auch kein Wunder. Sie wollen ja auch mal den Arm ausstrecken, zum Beispiel so.“ Der Schneider hebt seinen linken Arm, streckt ihn und fordert den Kunden auf, dasselbe zu tun.

„Na sehen Sie! Der Ärmel sitzt absolut perfekt“, stellt der Schneider triumphierend fest.

„Nun gut“, lenkt der Kunde ein, „aber was ist mit den Hosenbeinen, die sind viel zu weit.“

Der Schneider winkt ab: „Wenn Sie so dastehen ist das auch kein Wunder. Winkeln Sie doch mal das rechte Bein etwas an! Noch etwas mehr, so als würden Sie eine Treppe hochgehen. Genau! Und schon sitzt die Hose wie angegossen.“

Achselzuckend bezahlt der Kunde und betritt im neuen Anzug die Straße. Er hält den linken Arm ausgestreckt und das rechte Bein selbst beim Gehen angewinkelt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite flüstert eine Frau ihrer Freundin zu: „Schau mal, der verkrüppelte Mann da drüben!“

Entgegnet die Freundin: „Der Ärmste! Aber einen erstklassigen Schneider hat er.“
 
(Quelle: Marco Aldinger, Ko(s)misches Bewusstsein, Heuweiler 2004)